Die Umgestaltung des Vechelder Schlossparks

Gegenstand der von der Gemeine Vechelde 2013 beauftragten Untersuchung ist der ab 1696 von der Herzoglich-Braunschweigischen Familie gleichzeitig mit der Errichtung eines neuen Schlosses angelegte Lustgarten und spätere Park des Bürgerzentrums in der Gemeinde Vechelde. Der kleine Park setzt den vorläufigen Endpunkt der gärtnerischen Entwicklung am vormaligen Schloss und ehemaligen Amtsgericht und hatte seinen Höhepunkt zu Zeiten Herzog Ferdinands. Dieser ließ den kleinen, von seiner Vorgängerin Herzogin Elisabeth Sophie Marie übernommenen barocken Lustgarten (in der Größe des heutigen Rosengartens zzgl. der seitlichen Baumbestände) über die heutigen Grenzen hinaus zu einer barocken Gesamtkomposition ausbauen und fügte ihm sowohl ein sog. englisches Boskett mit vielen exotischen Gehölzen wie auch die u. a. auf den Turm der Andreaskirche in Braunschweig ausgerichteten großräumigen Landschaftsalleen hinzu, nach dem schon Landbaumeister Hermann Korb für die genannte Herzogin das Schloss zu einem Herrschaftssitz ausbaute.

 

Nach einer wechselvollen Geschichte nach dem Tode des Herzogs schritt in den letzten Jahrzehnten vor allem die Verwilderung des Parkwaldes weiter voran, so dass sowohl die Wegeachsen verschmälert wurden, als auch der nördliche Rand des engl. Bosketts sich in die Freiflächen vorschob und so für eine Verschiebung der dortigen Wegebeziehungen sorgte. Ähnliche Veränderungen resultierten aus den wild auflaufenden Bäumen in den Heckenboskettbereichen des ehemaligen Lustgartens, seitlich des heutigen Rosengartens, so dass auch hier keine oder kaum noch Wegebeziehungen erhalten blieben. Sitzplätze oder Aussichtspunkte existieren im Parkwald (engl. Boskett) schon seit Langem nicht mehr. Darüber hinaus führten großflächige Anpflanzungen und Aufforstungen von Gehölzbereichen außerhalb des Parks, aber auch unkontrolliert aufgelaufene Baumsämlinge auf den Grabenböschungen, zur Schließung der Durchblicke aus dem Park in die freie Landschaft und reduzierten das ehemals großzügige, alleebestandene Umfeld des Parks. Von dem im 18. Jh. extra angeschafften Gartenmobiliar, sowie den dazu gehörigen Sitzplätzen und Baulichkeiten wie Brunnen, Tore, Lauben- und Heckengänge und Brücken im Park blieb fast nichts erhalten.

Im vorliegenden Fall hat die natürliche Entwicklungsdynamik im Zusammenhang mit Nutzungsdruck, Unkenntnis der historischen Zusammenhänge, altersbedingtem Absterben von Gehölzen, unreflektierten Neuplanungen und veränderter Pflegeprämissen zu einer erheblichen Veränderung des ursprünglichen Parkbildes geführt. Für eine Rückgewinnung der historischen gestalterischen Qualitäten übertrug daher die Gemeinde Vechelde dem Landschaftsarchitekten Grahmann aus Cremlingen, dessen Büro sich seit langem schwerpunktmäßig mit der Rekonstruktion hist. Parkanlagen beschäftigt, eine Analyse der historischen Entwicklung, der vorhandenen Parksubstanz und der Bewertung ihres qualitativen Zustandes, ihres Denkmalwerts und der Bilanzierung mit den historischen Gestaltungsabsichten. Besonders überraschend war dabei das Auffinden vor Beginn der Untersuchung noch gänzlich unbekannten oder nicht hinreichend gewürdigten, vielfältigen Archivalienbestandes, nach dem man sich ein außerordentlich genaues Bild von der Entstehung und Pflege des Parks im späten 18. Jh. machen konnte.

 

Darauf aufbauend ist eine weiterführende Rekonstruktionsplanung mit der Abwägung zwischen der Möglichkeit der Rekonstruktion oder der Weiterentwicklung des Parks im Sinne einer denkmalgerechten und gestalterischen Verbesserung des Parks erarbeitet worden. Mit dem Gutachten soll daher die Grundlage für weitere Umgestaltungs- sowie Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen nach denkmalpflegerischen Prämissen gelegt werden.

Als Fazit der Untersuchung kann festgehalten werden, dass der Park und sein landschaftlicher Kontext ein außergewöhnliches, altes und besonders gut dokumentiertes Beispiel eines aus einer langen Gartentradition überkommenen und immer hier verbliebenen selbstständigen Herrschaftsparks an einem Lustschloss darstellt, dessen Blütezeit in der Aufklärung und der Zeit des  Sturm und Drang lag. Hieraus generiert sich seine besondere Qualität in der Anlage und seine historische Bedeutung, die u. a. noch an den verbliebenen Denkmälern ablesbar ist. Daher besteht vor allem aus nutzungsspezifischen und aber auch geschichtlichen Gründen ein besonderes öffentliches Interesse an der Erhaltung und Rekonstruktion des Parks. Gleichzeitig geht damit die Förderung der Aufenthaltsqualität im Park als auch eine Verbesserung seiner ästhetischen Ausstrahlung einher, so dass die z. Zt. vorgenommenen Veränderungen in Gänze den Besuchern des Parks zu Gute kommen.

 

Die beiden Lindenalleen, die in West-Ost- sowie in Nord-Süd-Richtung den Schlosspark durchqueren, stellen einen wesentlichen Punkt bei der Neugestaltung dar. Eine Allee beginnt im Westen an der Aue und führt zwischen Rosengarten und englischem Boskett (Parkwald) im Osten bis zum Pappelwald außerhalb des Parks. Die andere Allee führt vom Norden durch den Rosengarten bis zur Aue im Süden des Parks. Durch das Boskett hindurch wird eine Schneise für die Allee angelegt. Für beide Alleen sind insgesamt rund 70 Linden vorgesehen. Zweiter Gestaltungsschwerpunkt ist der Rosengarten im Norden des Schlossparks. Dort werden Buchsbaumhecken angelegt. Südlich des Bürgerzentrums sind einige Hecken vorgesehen sowie eine Erinnerungstafel an Herzog Ferdinand. Auf Anregung der Bevölkerung ermöglicht die Gemeinde eine Rundwanderung um den Schlosspark. Dazu wird nahe der Liebermannstraße eine Holzbrücke über die Aue gebaut.

 

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Allee Ost-West

Allee Nord-Süd

Lindenoval

Rosengarten

Abt-Jerusalem-Denkmal

Grenzgraben nach Osten